Wissenswertes über die Wirbelsäule und Rückenschmerzen

Warum Wirbelsäulengymnastik und Rückenschule?
Ein Großteil der Bevölkerung kennt Rückenschmerzen aus eigener Erfahrung oder aus dem familiären, sozialen und beruflichen Umfeld. Ganz neu ist diese Problematik nicht – Rückenschmerzen stellten bereits vor fast zweieinhalbtausend Jahren ein Problem dar, um das sich seinerzeit Hippokrates mit Streck - behandlungen bemühte. Insgesamt dürften Rückenschmerzen jedoch früher nicht ganz so häufig gewesen sein, während “Der Spiegel” heute ohne Polemik titelt: “Volksleiden Rückenschmerzen: Krank im Kreuz” (DER SPIEGEL, 45 (23): 214-235, 1991).

Folgende Fakten veranschaulichen, welch enorme medizinische, soziale und ökonomische Bedeutung Rückenschmerzen heute erlangt haben:
ein Drittel der deutschen Bevölkerung klagt ständig über Rückenschmerzen lediglich jeder fünfte hat niemals Rückenschmerzen ca. 20% aller Krankschreibungen (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen) erfolgen aufgrund der Diagnosen LWS-Syndrom, Ischialgie, Lumbago etc. Rückenschmerzen verursachten 1991 in der alten Bundesrepublik ca. 12.500.000 Krankheitstage von 40 Milliarden DM Lohnfortzahlungen 1991 fielen ca. 10-12 Milliarden wegen Rückenschmerzen an ca. 45% aller vorzeitigen Rentenanträge in Deutschland erfolgen aufgrund degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen oder Rückenschmerzen täglich werden 6 Millionen Amerikaner wegen Rückenschmerzen behandelt.

Derzeit sucht jeder vierte Patient in Deutschland seinen Hausarzt primär wegen Rückenschmerzen auf; bei Orthopäden kommt bereits jeder zweite Patient wegen Rückenschmerzen. Alarmierende Zahlen aus der ganzen westlichen Welt: In amerikanischen Schmerzkliniken ist der Anteil von Rücken- und Wirbelsäulenpatienten bereits auf 30-50% des gesamten Patientenkollektivs gestiegen. Aus Schweden wird eine Zunahme ärztlicher Verschreibungen und Behandlungen bei Rückenschmerz-Syndromen in den letzten zehn Jahren um den Faktor 30 berichtet. Bandscheiben Vorfälle und degenerative Veränderungen der Wirbelsäule nehmen weiter zu. Dabei sind Rückenschmerzen nicht mehr nur ein Problem der älteren Bürger: Auch bei Kindern und Jugendlichen steigen Wirbelsäulenschäden dramatisch an. Eine Reihenuntersuchung dänischer Schüler 1989 hat gezeigt, daß je nach Alter 55-62% der Befragten mindestens einmal im Monat unter Kopf- oder Rückenschmerzen leiden.

Jeder Musterungsarzt weiß von erschreckend hohen Rekrutenzahlen zu berichten, deren Einsatzfähigkeit
wegen Schäden oder Schwächen derWirbelsäule eingeschränkt ist – und das bei durchwegs jungen Leuten ohne besondere berufliche Vorbelastung. So hatten wir denn auch bei eigenen Untersuchungen beruflich stark belasteterErwachsener mit Wirbelsäulenbeschwerden große Schwierigkeiten, eine völlig wirbelsäulengesunde Kontrollgruppe zusammenzustellen. Stichproben unter Medizin-Studenten im Alter von 19-26 Jahren haben gezeigt, daß 87%, also fast neun von zehn Personen, bereits wiederholt Rückenschmerzen hatten.

Worin ist diese Häufigkeit von Wirbelsäulenbeschwerden begründet?

Sind wir gegen das Volksleiden Rückenschmerzen machtlos? So einfach diese Fragen sind, so schwierig die Antworten: nicht ein einzelner Faktor, sondern eine Vielzahl von Faktoren wie z. B. erbliche Veranlagung (genetische Disposition), angeborene oder erworbene Fehlstellungen oder berufliche Belastungen sind für die Auslösung von Störungen des komplexen Systems Wirbelsäule ursächlich verantwortlich. Hinter dem Sammel - begriff “Rücken- oder Kreuzschmerzen” verbirgt sich nicht nur eine Vielzahl völlig unterschiedlicher Krankheitsbilder, sondern auch eine Vielzahl möglicher Ursachen.