Wirbelsäulenschäden müssen nicht sein!

Auch wenn die Ursachen bis heute noch nicht restlos geklärt sind, ist sich die Fachwelt zumindest darüber einig, daß ein Großteil der Wirbelsäulenschmerzen auf ein nicht wirbelsäulengerechtes Verhalten im Alltag und eine Über- bzw. Fehlbelastung zurückzuführen ist.

Prof. Dr. med. H. Junghanns, einer der Pioniere der Wirbelsäulenforschung, formuliert griffig: die Wirbelsäule des Erwachsenen wird von den Versäumnissen der Jugendzeit geprägt. Somit gilt es, unnötige Belastungen für die Wirbelsäule zu vermeiden und ein wirbelsäulengerechtes Verhalten zu erlernen – je früher, desto besser!

Zwar werden allen Kindern (mehr oder weniger erfolgreich) Tischmanieren beigebracht, doch wer lernt rechtzeitig eine korrekte Haltung und wirbelsäulengerechtes Verhalten? Diese Lücke soll dieses Buch mit der Vermittlung von Kenntnissen der Wirbelsäule (Abschnitt A) und der Einübung wirbelsäulengerechten Verhaltens (Abschnitt B) schließen.

Auch bei der Wirbelsäule gilt: Vorbeugen ist besser (und einfacher!) als Heilen! 

Nachdem verschiedene orthopädische Schulen bereits in den sechziger Jahren Konzepte zur Rückenschule vorgestellt und eingeführt haben – stellvertretend sei hier Prof. Dr. med. J. Krämer als einer der Altmeister der Rückenschule und Vorsitzender des Arbeitskreises “Degenerative Wirbelsäulenbeschwerden” der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie genannt – bieten heute zahlreiche Kliniken, Physiotherapeuten und Sportvereine Rückenschulkurse an.

Während anfangs der Rückenschulgedanke auf die Nachbehandlung operierter Patienten beschränkt war, hat sich heute die Erkenntnis durchgesetzt, daß jeder einer Rückenschule bedarf. Vorreiter waren hierbei übrigens wie so oft in der Gesundheitserziehung die skandinavischen Länder, in denen in zahlreichen Betrieben erfolgreich Rückenschulkurse und Wirbelsäulengymnastik für die ganze Belegschaft durchgeführt werden – erfolgreich insofern, als die Fehlzeiten wegen Wirbel - säulenbeschwerden meßbar zurückgehen und die Produktivität steigt.

Diesen Gedanken der Primärprävention und Prophylaxe, d. h. der Gesundheitserziehung und Vorbeugung, haben mittlerweile auch die deutschen Krankenkassen aufgegriffen, die ebenfalls Rückenschulkurse fördern und durchführen. Heute scheint es nur noch eine Frage weniger Jahre zu sein, bis der Rückenschulgedanke seinen Einzug in die Schulen bzw. den Schulsport hält.

Dies gilt auch für die Wirbelsäulengymnastik: 

Wirbelsäulengerechtes Verhalten setzt immer eine ausreichend aufgebaute Muskulatur voraus. Die Wirbelsäule kann nur dann ihre Aufgabe zufriedenstellend und ökonomisch erfüllen, wenn sie durch die wirbelsäulen stützende Muskulatur unterstützt wird. Der Gesunde soll mit Hilfe der Wirbel - säulengymnastik Bewegungsabläufe einüben, die die Beweglichkeit der Wirbelsäule und die Kraft der wirbelsäulenstützenden Muskulatur erhalten und erhöhen. Der Patient und Wirbelsäulen-Geschädigte soll durch die Wirbelsäulengymnastik ebenfalls rückenschonende Bewegungsabfolgen lernen und die Bewegungsfähigkeit erhöhen. Besonders bei bereits bestehenden Fehlstellungen und Veränderungen des Wirbelsäulensystems wird eine gezielte Mobilisation und Kräftigung erforderlich. In Verbindung mit dem Erlernen wirbelsäulengerechten Verhaltens im Alltag lassen sich so Schmerzen vermindern und neue Beschwerden verhindern.

Die Wirbelsäulengymnastik stellt somit in Verbindung mit der Rückenschule eine ideale Ergänzung krankengymnastischer und physiotherapeutischer Bemühungen dar. Sprechen Sie deshalb ruhig Ihre Therapeutin oder Ihren Therapeuten an und lassen Sie sich gezielt beraten – sie sind in der Regel Fachleute auf dem Wirbelsäulengebiet!